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Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und neoliberaler Neusprech*
Verwirrte Begriffe und Unwörter
Anspruch und Wirklichkeit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
Synopse INSM-Politikfelder und Botschaft, Entgegnung und Folgen
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und deutsches Grundgesetz zum
Sozialstaat
Textauszüge und Leseempfehlungen zum Thema Neoliberalismus
Weiterführende Links
Verwirrte Begriffe und Unwörter
Wenn die Begriffe
sich verwirren, ist die Welt in Unordnung.
Konfuzius
Der Ausdruck
Neusprech (englisch:
Newspeak, in älteren Versionen als Neusprache übersetzt)
stammt aus dem Roman 1984 von George Orwell und bezeichnet eine
Sprache, die aus politischen Gründen künstlich modifiziert wurde.
Seit 1991 wählt die Gesellschaft für
deutsche Sprache ein "Unwort" des Jahres. "Die Aktion "Unwort
des Jahres" möchte auf öffentliche
Sprachgebrauchsweisen aufmerksam machen und dadurch das Sprachbewusstsein
und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern" heißt es in
der Selbstdarstellung.
Viele der "Unworte" spiegeln im weitesten
Sinne neoliberales Denken wieder wie z.B.. "betriebsratsverseucht","Neiddebatte"
[=Abwertung der Diskussion über soziale Gerechtigkeit],
"Humankapital" [=der Mensch dient der Wirtschaft und
nicht umgekehrt], "Luftverschmutzungsrechte",
"Zellhaufen" [=menschliches Leben wird zum frei
verfügbaren wirtschaftlich nutzbaren Material], "therapeutisches
Klonen", "überkapazitäre Mitarbeiter",
"sozialverträgliches Frühableben" [=Alte, Kranke und Behinderte
werden zum ungewollten Kostenfaktor],
"Moralkeule" [=Abwertung berechtigter
moralischer Kritk], "Rentnerschwemme", "Flexibilisierung", "Outsourcing",
"Umbau des Sozialstaates"
[=beschönigend für Abbau des Sozialstaates],
"sozialverträglicher Stellenabbau".
Anspruch und Wirklichkeit der Initiative Neue Soziale
Marktwirtschaft
Anspruch ...
Zu den Zielen der INSM schreibt die
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft "Um die Soziale Marktwirtschaft zu
erneuern und sie leistungsfähig zu erhalten,
muss jeder Ballast
abgeworfen werden, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat."
In Ihrem Leitbild bezeichnet sich selbst als "der
kommunikative Think Tank für die Soziale Marktwirtschaft und die Stimme
der ökonomischen Vernunft in der Reformdebatte". Das ISM möchte
eine neue Wirtschaftspolitik, Beschäftigungspolitik, Sozialpolitik,
Tarifpolitik und Bildungspolitik
http://www.insm.de/insm/ueber-die-insm.html
Die INSM möchte nach eigener Aussage die
Bürger der Bundesrepublik Deutschland von der „Notwendigkeit
marktwirtschaftlicher Reformen“ überzeugen. Die Soziale Marktwirtschaft
müsse an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts angepasst werden: „An die
Globalisierung, die Wissensgesellschaft, die Veränderungen in der
Arbeitswelt und den demografischen Wandel.“ Die INSM orientiere sich dabei
an den Idealen Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Wettbewerb.
Sie sieht sich dabei in der Tradition von Ludwig Erhard.
... und Wirklichkeit
Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers
Claus Leggewie ist das Ziel der INSM
weniger „soziale“ Marktwirtschaft
als vielmehr „kapitalistische freie Marktwirtschaft“. In diesem Sinne
propagiere sie Entstaatlichung „gegenüber Journalisten, gegenüber
Schulen, um damit die Gesellschaft für das Thema der Entstaatlichung und
Privatisierung bereit zu machen.“ Nach Ansicht des Journalisten Thomas Leif
gehe es der INSM im Kern um „die Flankierung von Wirtschaftsinteressen
durch PR-Maßnahmen“ also Lobbyarbeit für die Wirtschaft im großen Stil.
http://de.wikipedia.org/wiki/Initiative_Neue_Soziale_Marktwirtschaft
Synopse ISNM-Politikfelder und Botschaft, Entgegnung und
Folgen
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Politikfeld |
Botschaft |
Entgegnung |
Folgen |
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Neue Wirtschaftspolitik |
Leistung muss sich wieder lohnen, Schluss
mit der Gleichmacherei, steuerliche Entlastung der höheren Einkommen,
der Unternehmer und Unternehmen |
Spitzenverdiener verdienten schon vorher
gut, kein Umverteilungseffekt |
explodierende Spitzeneinkommen von
Unternehmen, sinkende Lohnquote von 68% 1993 auf 62,3 % 2007,
Mehrwertsteuererhöhung, Senkung des Spitzensteuersatzes, Senkung von
Unternehmenssteuer und Erbschaftssteuer |
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weniger Steuern, Abgaben, mehr Eigeninitiative für Bürger und
Unternehmer |
Steuer und Abgaben finanzieren den
Sozialstaat |
fehlende Steuereinnahme führen zu
schlechterer öffentlicher Infrastruktur, Bibliotheken und
Schwimmbäder werden zurückgefahren oder ganz geschlossen |
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Deregulierung der Märkte, Abbau von
Schranken und Vorschriften, freies Spiel der Kräfte,
der Markt regelt
alles |
das Marktversagen ist seit über hundert
Jahren erkannt, manches wird deshalb besser in öffentlicher Regie
betrieben, oder klare Rahmensetzung für den Wettbewerb |
Raubbau an der Natur und der Gesundheit der
Menschen und am Zusammenhalt unserer Gesellschaft |
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Konjunkturprogramme sind Strohfeuer und
führen nur zu Schulden |
ehemalige Kritiker verabschiedeten erst ein
Konjunkturpaket I und dann II |
Versäumnis, die Binnennachfrage in der Krise
anzukurbeln und wirtschaftspolitisch einzugreifen |
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Privatisierung bring öffentliche
Unternehmen auf Vordermann |
oft wird nicht Bilanz gezogen und die Lasten
nicht mitberechnet, die auf die Allgemeinheit abgewälzt werden |
viele Privatisierungen erwiesen sich als
Misserfolge, die Börsengänge brachten hohe Gebühren, Provisionen und
Honorare auf die Konten der beteiligten Banken, Broker, Börsen,
Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und Beratungsunternehmen, für den
Bürger wurden Dienstleistungen nicht günstiger |
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wir brauchen einen schlanken Staat,
weniger ist mehr, Entbürokratisierung |
es gibt auch Bürokratie in den Unternehmen,
und es gibt öffentliche Verwaltungen und Unternehmen, die effizient
arbeiten |
die Staatsquote ist in Deutschland in den
letzten Jahren kräftig gesunken und liegt heute unter dem
EU-Durchschnitt, die Folgen: Erosion der öffentlichen Infrastruktur und
Dienstleistungen, private Monopole und höhere Gebühren |
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Atomstrom ist billig und sicher |
die Kernenergie ist hoch subventioniert, die
Entsorgung nicht gelöst, die Gefahrensicherung teuer |
Verlängerung der Laufzeiten, Forderungen zur
Fortsetzung des Ausbaus der Kernenergie und Ende des Ausstiegs |
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Arbeitsplätze wandern ab in
Billiglohnländer |
Arbeitnehmer stehen unter der Drohung der
Arbeitsplatzverlagerung, Druckmittel für unternehmerfreundliche
Entscheidungen |
Lohndumping, geringere Sozial- und
Umweltstandards, andererseits kehrten
abgewanderte Betriebe zum Teil zurück, weil vor Ort die
Ausbildungsstandards und die Qualität nicht stimmte |
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Globalisierung ist eine neue Herausforderung,
zwingt zu drastischen Einschnitten |
Globalisierung gab es schon Jahrhunderte
vorher, Spielraum für nationale Politik und insbesondere gemeinsame
Europapolitik ist größer als behauptet wird, besonders für Deutschland
mit hohem Leistungsbilanzüberschuss |
Vernachlässigung der nationalen und
europäischen Konjunkturpolitik und der Politik des sozialen Ausgleichs,
Anpassung an andere Länder, Wettlauf bei
Unternehmenssteuersenkung, Privatisierung, Deregulierung |
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wir brauchen Global Player |
die weltweite Tätigkeit deutscher
Unternehmen ist nichts Neues, die modische Betonung führt jedoch zu
maßlosen Übertreibungen, z.B. die Fusion von Daimler-Benz mit Chrysler |
die nicht genau kalkulierte und an einer
gemachten Meinung orientierte weltweite Tätigkeit wurde in vielen Fällen
teuer für das betroffene Unternehmen |
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wir brauchen Investoren, neues
Kapital |
auch Hedgefonds und Private Equity
Unternehmen sind Investoren, neue Investoren bringen Unruhe, Schulden,
Belastungen in Unternehmen, oft müssen aufgekaufte Unternehmen den Kaufpreis
selbst zahlen = moderne Piraterie |
Erleichterung des Geschäfts für windige
Kapitalgruppen und für solche, die Steuern durch Verlagerung auf
Steueroasen vermeiden |
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Shareholder Value, Aktienkursgewinne |
Spekulation statt Investition, schneller
Profit statt langfristige Entwicklung, übertriebene Renditeerwartungen,
Entkopplung der Aktienkurse von der realen Wirtschaftsentwicklung,
umfangreiche Umstrukturierungen auf Kosten von Arbeitsplätzen |
Zerstörung traditioneller, nachhaltig
wirtschaftender Unternehmen, manipulierte Meinungsmache bei
Übernahmeschlachten zum Nachteil der weniger gut informierten,
Arbeitsplatzvernichtung |
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New Public Management,
neue öffentliche Verwaltung |
Unterordnung der Einrichtungen des
öffentlichen Dienstes unter die Modelle der Marktwirtschaft sorgt zielt
auf Rationalisierung, Mehrarbeit, Lohnsenkungen, Leistungssteigerung und
Stellenstreichungen |
der soziale Auftrag von Behörden tritt in
den Hintergrund |
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Reform des Gesundheitswesens |
Ökonomisierung der Medizin, Kosteneffizienz
vor Caritas |
Priorisierung zu Lasten chronisch Kranker
und Alter. ärztlich assistierter Suidzid statt Palliativmdeizin und
Sterbebegleitung, Straffreiheit für aktive Sterbehilfe, Konditionierung
der Bevölkerung für aktive Sterbehilfe, PID, sozialverträgliches
Frühableben |
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Neue Beschäftigungspolitik |
sozial ist was Jobs schafft, viel wichtiger
als soziale Gerechtigkeit anzustreben ist es, Arbeitsplätze zu schaffen |
die beiden Ziele soziale Gerechtigkeit und
Arbeitsplätze gegeneinander auszuspielen ist schädlich |
Abwertung des sozialen Ausgleichs als
Nebensache, Zunahme nicht-existenzsichernder "Jobs" |
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Vollbeschäftigung ist nicht mehr möglich,
der Bedarf ist gesättigt, die Arbeit geht uns aus |
unglaublich viel Arbeit ist zu tun,
Sanierung der öffentlichen Infrastruktur, Investitionen im Bildungswesen
und Gesundheitswesen |
eine aktive Beschäftigungspolitik wurde
weitgehend eingestellt, hohe Arbeitslosigkeit hat Arbeitnehmer
geschwächt und zu realen Lohnsenkungen geführt |
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Förderung von Mobilität und nicht
Sesshaftigkeit |
Mobilität bei höheren Einkommen ist nicht
vergleichbar mit Mobilität bei Niedriglöhnen |
Verlust sozialer Bindungen und Netzwerke |
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Neue Sozialpolitik |
der Wohlfahrtsstaat ist Schuld an der
Wirtschaftsschwäche und den Staatsschulden |
der massive Schuldenzuwachs nach der
deutschen Wiedervereinigung wird dem Sozialstaat in die Schuhe geschoben |
viele gering Qualifizierte kommen nie aus
dem Niedriglohnbereich heraus |
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wir leben in einem Verteilungsstaat,
es gibt zuviel Umverteilung von oben nach unten, zu viel leistungslose
Sozialtransfers |
Umverteilung zugunsten der Ärmeren fand in
den letzten Jahrzehnten nicht statt: die Löhne stagnierten, die Gewinne
und Vermögenseinkommen stiegen zweistellig, der Anteil der
Mehrwertsteuer und der Lohnsteuer am Steueraufkommen wuchs, der
Spitzensteuersatz wurde gesenkt, die Vermögenssteuer gestrichen |
die Armut wächst, ältere Menschen müssen
auch als Rentner arbeiten, Zweitjobs werden in vielen Familien
notgedrungen üblich |
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es wird Sozialneid geschürt |
den meisten Menschen bringen erst soziale
Sicherheit ein Stückchen Freiheit |
grundlegende Diskreditierung des
Sozialstaats und Erleichterung des so genannten Umbaus des Sozialstaates |
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Hilfe zur Selbsthilfe,
Reform des Sozialsystems |
Hartz-IV-Reformen haben nicht zur
wirtschaftlichen Belebung beigetragen |
Verlust der sozialen Sicherheit und des
Vertrauens in die Gesellschaftsordnung |
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demographischer Wandel erzwingt
Privatvorsorge fürs Alter |
der Generationenvertrag trägt immer, wie
leistungsfähig er ist hängt weniger vom Zahlenverhältnis Jung/Alt als
von Produktivität und Beschäftigungslage ab |
Sorge und Angst um die Renten, Konflikt
zwischen den Generationen, Förderung der Privatvorsorge auf Kosten der
Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente, Verlust des Vertrauens in die
gesetzliche Rente, Altersarmut |
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besondere finanzielle Förderung für
kinderlose Akademikerinnen |
die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen
liegt mit 25% nur knapp über der durchschnittlichen Kinderlosigkeit |
Einführung des Elterngeldes und Abschaffung
des Erziehungsgeldes, statt gleicher Beträge pro Kind jetzt 67% des
letzten Nettoeinkommens > wer mehr verdient bekommt mehr vom Staat,
Förderung der Selbstbedienungsmentalität der besser Gestellten |
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Neue Tarifpolitik |
Lohnkosten sind zu hoch, Lohnkosten
entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit, China, Indien, Polen und
Rumänien haben niedrigere Löhne |
Löhne sind ein wichtiger, aber nicht der
einzige Kostenfaktor, bei hoher Produktivität ist eine Volkswirtschaft
auch bei höheren Löhnen konkurrenzfähig, Lohnstückkosten Deutschlands
haben seit 2001 weit unter dem Durchschnitt |
Stagnation der Löhne seit gut zwei
Jahrzehnten mit nur kleinen Unterbrechungen, Einkommen reicht für viele
Familien nicht mehr aus, Schwäche der Massenkaufkraft und der
Binnennachfrage führt zu Konjunktureinbruch |
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Mindestlöhne kosten
Arbeitsplätze und führen zu höheren Löhnen |
20 von 27 EU-Ländern haben Mindestlöhne und
fahren gut damit, sogar Großbritannien |
in vielen Familien reichen Erwebseinkommen
nicht aus > Löhne müssen durch staatl. Leistungen im Rahmen von Hartz IV
aufgestockt werden |
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Lohnnebenkosten sind zu hoch |
Lohnnebenkosten sind keine Nebenkosten,
Beiträge für die Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung
sind Kosten zur sozialen Absicherung und müssen bezahlt werden |
Minderung der Leistungsfähigkeit der
sozialen Sicherungssysteme, Erleichterung des Geschäfts für die privaten
Versicherungen, z.T. mit staatlicher Unterstützung wie bei der
Riester-Rente |
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Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse
erhält und schafft Arbeitsplätze |
viele neu geschaffene "Jobs" sind keine
Vollzeitstellen, das "Humankapital" untersteht dem Diktat des Marktes,
amerikanische Hire-and-Fire-Verhätnisse |
Zunahme der prekären Arbeitsverhältnisse
400-Euro-Jobs, Minijobs, Midijobs, oft reichen mehrere nicht zur
Existenzsicherung für eine Familie, Abbau des Kündigungsschutzes,
Aufweichung des Ladenschlusses, Aufweichung des Sonntagsschutzes,
Sonntag und Feiertage notwendig nicht nur für religiöses sondern auch
soziales Leben, Familie und Vereine, Parteien |
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Wer arbeitet ist der Dumme,
das Abstandsgebot zwischen Löhnen und Sozialleistungen ist nicht
eingehalten,
Mehr Netto vom Brutto |
Einzelfälle werden verallgemeinert und von
den Medien reißerisch ausgeschlachtet, "Deutschlands faulster
Arbeitsloser" |
pauschale Verdächtigung des
Sozialleistungsmissbrauchs, langfristig Spaltung der Gesellschaft |
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So genannte Niedriglöhne sind in
Deutschland für viele Menschen vor allem eines: Einstiegslöhne |
häufig aus normalen Entlohnung in
Arbeitslosigkeit und dann in Niedriglohn |
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Neue Bildungspolitik |
PISA, unsere Schulen sind marode,
unsere Universitäten schlecht, wir brauchen Hochbegabtenförderung,
Elitehochschulen, Wettbewerb im Bildungssystem |
PISA hat einige vernünftige Erkenntnisse
gebracht, u.a. den Hinweis auf die Benachteiligung der Kinder aus
einkommensschwachen Familien, die bildungspolitische Lage in den USA und
GB wird geschönt |
Bildung ist keine Ware, nach PISA erfolgte ein Miesmachen unserer
Schulen und Universitäten, auch bewährte Strukturen wurden in Frage
gestellt, z.B. die Diplomstudiengänge, fragwürdige Uni-Rankings |
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zu lange Schulzeiten und Studienzeiten
im europäischen Vergleich, Kinder und Studenten vertrödeln Zeit, schwächt Konkurrenzfähigkeit unserer Volkswirtschaft |
Kinder werden zunehmend nur aus
betriebswirtschaftlicher Warte betrachtet, das es offenbar auch auf
anderes als kurze Ausbildungszeiten ankommt, zeigt die
Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, Primat des Kostendenkens |
Verkürzung der Schulzeit an weiterführenden
Schulen von 9 auf 8 Jahre, auch wegen mangelnder Vorbereitung
Misserfolg, Arbeitgeber klagen über schlechte Allgemeinbildung der
Auszubildenden, in manchen Ländern schon wieder revidiert!
Bachelor- und Masterstudiengänge bringen nicht die erwartete Qualität,
immer mehr Studenten und auch schon Schüler benötigen wegen des
Lerndrucks psychologische HIlfe, Sozialkosten werden nicht |
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Universitäten und Schulen sollen mehr
Drittmittel aus der Wirtschaft und anderen Sponsoren anwerben |
die Bindung der staatlichen Förderung an die
angeworbenen Drittmittel verstärkt den Einfluss von außen |
Einfluss von Wirtschaftsinteressen bei der Auswahl der
"Exzellenzuniversitäten" gefährdet die Freiheit der Lehre |
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Studiengebühren sind ein notwendiger
Leistungsanreiz, wer studiert hat auch bessere Einkommenschancen |
bessere Einkommenschancen gibt es nur, wenn
der Arbeitsmarkt Akademikern genügend Arbeit anbietet, Studiengebühren
führen zu einer Sonderbelastung von Kindern von Geringverdienern |
Einkommenschwache werden am Studieren
gehindert |
Immer wieder wird
behauptet, dass es keine Alternative zu der neoliberalen Politik gibt (TINA-Prinzip
- there is no altenative). Damit wird jeder alternative Lösungsvorschlag
abgewürgt.
Der viel beschworene Trickle-Down-Effekt, nachdem durch kräftig wachsende obere
Einkommen auch was für die großen Masse der Unterschicht abfällt, hat sich nicht
bewahrheitet.
nach Albrecht Müller: Meinungsmache. Wie
Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgewöhnen wollen. München:
Droemer Verlag 2009 (Kapitel 11 Eine Welt voller Meinungsmache) und Wolfgang
Müller: Die großen Wirtschaftslügen. Raffgier mit System. München: Knaur
Taschenbuch Verlag 2009
Selbst bis in die
offizielle katholische Kirche hinein hat die INSM ihren Einfluss geltend
gemacht. Dr. Michael Schäfers analysiert dies in Das Soziale
neu denken – Vom Sozialstaat zur Armenfürsorge? Stellungnahme
zum Impulspapier der Deutschen Bischofskonferenz – Kommission für
gesellschaftliche und soziale Fragen „Das Soziale neu denken – Für eine
langfristig angelegte Reformpolitik", die auf der Website der
Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) veröffentlich ist.
Statt die reiche Erfahrung der Katholischen
Soziallehre bzw. christlichen Sozialethik in die sozialpolitische Diskussion
einzubringen und sich als Stimme der Schwachen, derer die keine Stimme haben
zu verstehen, lässt sie sich für handfeste Wirtschaftsinteressen
instrumentalisieren!
http://www.kab.de/mm/StellungnahmeKommissionsPapier.pdf
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und deutsches
Grundgesetz zum Sozialstaat
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
- Artikel 23 (1) Jeder hat das Recht
auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und
befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit
- Artikel 23 (2) Jeder, der arbeitet,
hat das Recht auf gerechte und befriedigende
Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde
entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere
soziale Schutzmaßnahmen
- Artikel 26 (2) Die Bildung muss auf
die volle Entfaltung der menschlichen
Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den
Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein.
Grundgesetz
der Bundesrepublik Deutschland
- Artikel 14 (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll
zugleich dem
Wohle der Allgemeinheit dienen.
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Artikel 20 (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und
sozialer
Bundesstaat.
http://www.bundesregierung.de/Gesetze/Grundgesetz-,4245/I.-Die-Grundrechte.htm
Textauszüge und Leseempfehlungen zum
Thema Neoliberalismus
Die Reformer haben nicht begriffen, welche nachhaltigen Folgen
die
totale Ökonomisierung aller Lebensbereiche haben wird. Die Reformer sehen den Menschen nur noch als Produktionsfaktor. Kinder müssen geboren werden, weil wir sie zur Finanzierung
der Renten brauchen. Kinder müssen mit fünf in die Schule, weil sie dann früher ins Arbeitsleben einsteigen und zur Stärkung
unserer Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Arbeitnehmer sind Kostenfaktoren und sonst nichts. Da Kosten niedrig sein müssen, müssen
auch die Löhne niedrig sein, ganz gleich, wie die Arbeitnehmer und ihre Familien damit zurechtkommen. Umwelt- und
Klimaschutz sind Kostenfaktoren. Also runter damit. Die Alten sind ein Kostenfaktor. Was machen wir nur mit ihnen? Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche wird dadurch verschärft, dass ihre Fürsprecher nicht einsehen, dass
auch Dinge einen Wert haben, die
sich nicht sofort rechnen. Sie sehen nicht, dass es auch ökonomisch
vernünftig ist, wenn ein gutes soziales Klima im Land herrscht und die
Menschen sich wohl fühlen.
Die Reformer haben nicht begriffen, wie sehr sie unsere
Gesellschaft
spalten. Statt sich um den sozialen Ausgleich und den inneren Frieden unseres Landes zu kümmern, beschwören die Reformer
Konflikte herauf, die es gar nicht geben müsste, oder verschärfen schon bestehende. Den Jüngeren wird eingeredet, die Alten und
Arbeitslosen lebten auf ihre Kosten, den Arbeitslosen wird weisgemacht, die Gewerkschaften kümmerten sich nicht um sie.
Gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer
weiter.
Die Reformer haben nicht begriffen, dass sie mit ihrem Drängen auf Flexibilität, auf unsichere Arbeitsverträge und auf die Schwächung der Arbeitnehmerschaft schon auf mittlere Sicht
der fachlichen Qualität der Arbeitnehmer schaden. Wenn in Zukunft viele Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor
sind und sich ihren Unterhalt mit mehreren Jobs sichern müssen, wenn die soziale Sicherung der meisten Arbeitenden
ausgehöhlt sein wird, wenn die Einkommensverteilung zwischen den
Ober- und den Unterschichten noch weiter auseinander gezogen wird, dann wird diese Entwicklung hin zu einem
modernen Proletariat
notwendigerweise die Motivation und die Möglichkeiten für eine gute Aus- und Fortbildung
reduzieren. Wer nur noch mobile und flexible Arbeitnehmer will, wird
solche mit weniger Verantwortung, weniger Pflichtbewusstsein, weniger
Disziplin und weniger Können bekommen. ..
Soziale Sicherheit fördert Kreativität und Produktivität. Wer sich nicht grämen muss, wer weiß, dass sein Job
sicher ist, wer auf eine gute Altersversorgung und gute Absicherung im Krankheitsfall vertrauen kann, der hat den Kopf frei.
Im Weltbild der Modernisierer ist Leistung immer nur die Konsequenz aus
Druck. Leistungsfähig ist für sie jemand anscheinend dann, wenn er das
Risiko fürchten muss, entlassen oder bestraft zu werden. Leistung aus
Verantwortungsbewusstsein scheint für sie unvorstellbar.
Albrecht Müller: Die Reformlüge.
40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft
Deutschland ruinieren, München: Droemer 2004
Da in den Zeiten der Massenarbeitslosigkeit
jeder Job zählt, reicht die Drohung, Arbeitsplätze ins Ausland zu
verlegen, um jeden
Politiker gefügig zu machen. Insofern ist eine
gewisse Höhe der Arbeitslosigkeit günstig für Unternehmen. Zum einen
können sie ihre Belegschaft unter Druck halten, in Fragen von Lohnhöhe und
Arbeitszeit, zum anderen gibt ihnen die monatliche Horrorzahl aus Nürnberg,
wo die Bundesanstalt für Arbeit sitzt, Macht über die Politik. Sie zwingt
Politiker, die Gedanken von Managern zu denken. Deshalb reden bei
Verhandlungen zwischen Politik und Unternehmen Managern mit Managern, egal
ob Sozialdemokraten regieren oder Konservative.
Der andere Grund für die gewachsene Macht der Wirtschaft über die Politik
ist die Globalisierung. Die Globalisierung stärkt die Macht der
großen Unternehmen, weil sie durch internationale Zukäufe sehr schnell
wachsen können. Sie stärkt ihre Macht auch, weil sie Arbeitsplätze,
Kapital oder Steuerfälligkeiten innerhalb eines Konzerns leicht verschieben
können und deshalb das Erpressungspotential gegenüber der Politik
wächst. ...
Der verschärfte Wettbewerb stellt mit erhöhtem Druck alles infrage, was
in den Preis einfließt: Löhne, Sicherheitsstandards, Umweltauflagen,
Sozialleistungen.
Dirk Kubjeweit: Unser effizientes Leben.
Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen. Hamburg: Rowohlt 2004, S.
60-61
Die Schwächeren sollen Ihr Schicksal in die eigen Hand nehmen, anstatt
den Wirtschaftsstandort ungebührlich zu belasten. So verschiebt der Staat
die aus seiner restriktiven Sozialpolitik erwachsenen eigenen Skrupel auf
seine Opfer. Die Schwachen sollen die Ideologie verinnerlichen, wonach
sie im freien Wettbewerb eben die Verlierer sind und
kein Recht
haben, die Erfolgreichen auf deren
Überholspur durch Rücksichtsforderungen
zu bremsen. Demnach benehmen sich unverantwortlich dann nicht die
Mächtigen, wenn sie soziale Leistungen abbauen, sondern die Schwachen,
die vermeintlich eigenes Versagen durch soziale Verwöhnung auch noch
belohnt werden sollen,
Klaus Hofmeister und Lothar
Bauerochse (Hrsg.): Machtworte des Zeitgeistes. Beschleunigung, Erfolg,
Event, Fitness, Flexibilität, Individualität, Marktwert, Mobilität,
Neu, Online, Spaß. Würzburg: Echter 2001, S. 51-52
Wissenschaft und Technologie werden zur Waffe, um Konkurrenten
auszuschalten. Der entfesselte Markt wird dann nicht Arbeitsplätze und
Wohlstand für alle schaffen, sondern die Profitquellen einer kleinen
Minderheit ins ungeheure steigern.
Die Profiteure werden sich einen
Blick auf die Verelendeten angewöhnen, der sie von allen Gewissensbissen
entlastet.
Die Idee eines neuen Bundes zwischen Markt und Mensch zieht
die Rechtfertigung des Elends der anderen nach sich. Sie werden nicht als
Benachteiligte registriert, sondern als Versager. Und weil sie Versager
sind, haben sie auch selber Schuld. Und weil sie selber Schuld haben, muss
niemand etwas für sie tun.
Reimer
Gronemeyer: Eiszeit der Ethik. Die Zehn Gebote als Grenzpfähle für eine
humane Gesellschaft. Würzburg: Echter 2003, S. 136
Im Gefolge dieses Wandels der
Daseinsbedingungen haben sich unversehens Vorstellungen in die
menschliche Gesellschaft eingeschlichen, wonach der Profit der eigentliche
Motor des wirtschaftlichen Fortschritts, der Wettbewerb das oberste Gesetz
der Wirtschaft, das Eigentum an den Produktionsmitteln ein absolutes
Recht, ohne Schranken, ohne entsprechende Verpflichtungen der Gesellschaft
gegenüber darstellt. Dieser ungehemmte Liberalismus führte zu
jener Diktatur, die Pius XI. mit Recht als die Ursache des finanzkapitalistischen
Internationalismus oder des Imperialismus des internationalen
Finanzkapitals brandmarkte. Man kann diesen Missbrauch nicht scharf genug
verurteilen.
Noch einmal sei feierlich daran erinnert, dass die
Wirtschaft ausschließlich dem Menschen zu dienen hat.
(Enzyklika
"Populorum Progression" 1967 von Paul VI.)
Bundesverband der Katholischen
Arbeitnehmerbewegung Deutschlands (Hrsg.): Texte zur katholischen
Soziallehre. Die sozialen Rundschreiben der Päpste und anderer kirchliche
Dokumente mit einer Einführung von Oswald von Nell-Breuning SJ. Kevelaer:
Bercker 6. Aufl. 1985, S. 445
http://198.62.75.1/www1/overkott/populo.htm
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